Wie wurde ich Hündeflüsterin

 

Nicht durch ein Studium, nicht durch die Hundeplätze auch nicht durch die ganzen Seminare. Allein meine Hunde machten mich zu dem was ich heute bin. Sie lehrten und zeigen mir immer noch, wie ich mit den Hunden umgehen muss. Das ist auch der Reiz von so unterschiedlichen Hunden. Sie zeigen mir untereinander was Erziehung ist, ich brauche es nur abzuschauen und umzusetzen. Ich konnte viel sehen, da alle meine Hunde sehr alt geworden sind.

Im Alter von fünf Jahren bekam nicht ich sondern meine Schwester einen Hund.
Zippi war ein Pudel. Er war der einzige meiner Hunde, der von einem Züchter kam.
"Mein Hund", weil sie nicht meiner Schwester oder meinen Eltern gehorchte sondern mir.
Von Zippi lernte ich wie Hunde „ ticken“. Ich lernte ihr unendlich viele Kunststücke. Sie lernte mir, wie man das macht, damit die Hunde es verstehen.
Zippi´s Liebe zu mir war grenzenlos. Sie verteidigte mich gegen alle Anfeindung von außen.
Ich begriff das ein Hund ein Freund fürs Leben ist.
Als Zippi 12 Jahre alt war, nahm der Krebs ihr die Kraft und ich musste lernen Abschied zu nehmen. Ich war erst 16 Jahre alt und ging aus dem Arztzimmer bevor sie die Spritze erhielt. Das habe ich bereut und schwor mir diesen letzten Gang mit meinen Hunden ab jetzt immer gemeinsam zugehen. Diesen Schwur habe ich noch nicht gebrochen, den wenn ich dem Hund eine Verpflichtung gegenüber habe, dann die für ein schönes Leben und einen schmerzlosen Tot zu sorgen und immer an seiner Seite zu sein wenn er mich braucht.
Ich bin sicher der Himmel hat sie mit offenen Armen empfangen.

Ich wohnte noch Zuhause und durfte keinen Hund mehr haben. Mit 18 Jahren zog ich aus und ging sofort ins Tierheim um mir die einjährige Colli- Mix Hündin Layka zu holen. Für mich kam nur noch ein Hund den niemand mehr haben will in Frage.
Layka lehrte mich das es Hunde gibt die nur lieb sind. Egal ob Mensch oder Tier sie liebte alles und konnte sich nicht vorstellen dass es auch böse Menschen gibt.
Mit ihr machte ich meine ersten Erfahrungen auf einem Hundeplatz. Die Begleitungsprüfung war kein Problem.
Layka wurde 12 Jahre alt und musste wegen einer schweren HD eingeschläfert werden. Auch sie empfing der Himmel mit offenen Armen.

Noch während ich Layka hatte, arbeitete ich eine Weile in Franciskus Tierheim. Obwohl ich mir fest vornahm kein Tier mitzunehmen, hatte ich am Ende eine Katze und einen Hund mehr im Haus.
Prinz (auch liebevoll Schweinetölle genannt)war ein einjährigen Terrier Mix und lernte mir was ein Angstbeißer bedeutet.
Mit so einem Hund macht man sich wenig Freunde und hat ein Leben lang Arbeit aber an keinen meiner Hunde lernte ich mehr.
Das erste Jahr war eine Katastrophe. Ich lernte von ihm voraus zu schauen und seine Gedanken zu lesen. Nur dann hatte ich eine Chance frühzeitig zu korrigieren was er falsch machen wollte. Er war sehr schlau und lernte schnell. Natürlich machte auch der eine BH Prüfung. Durch seinen absoluten Gehorsam, merkte niemand mehr, was in ihm steckte.
Das ging ca. 10 Jahre gut. Ich hatte nie einen Beissunfall mit ihm.
Prinz wurde mit 12 Jahren eingeschläfert, weil seine Angstzustände durch Schwerhörigkeit und schlechter Sehkraft bedingt so schlimm wurden, dass er dadurch keine Lebensqualität mehr hatte. Ihn empfing der Himmel wahrscheinlich nicht mit offenen Armen, aber in meinem Herzen wird er trotz allem immer sein.

Als Layka gegangen war, kam die fünfjährige Dobermannhündin Lady zu mir. Sie wurde die ganzen Jahre nur auf ihrem Grundstück gehalten und ihr Auslauf bestand darin, im angrenzenden Wald wildern zu gehen. Ich hatte ein Problem. Sobald Lady abgeleint wurde, war der Hund weg. Immer nur rennen war ihre Devise. Eine schwere Aufgabe, die ich nur mit der inzwischen erworbenen Erfahrung lösen konnte. Sie wurde ein toller Hund, der super lieb zu Mensch und Tier war. Aber auch wusste wenn es darauf ankommt für einen dazusein.
Mit ihr machte ich meine Erfahrung bei mehreren Rassehund Show´s und in Lady Schutzhund Ausbildung. Die BH Prüfung war auch mit ihr kein Problem. Leider konnte sie nie eine Schutzhund Prüfung machen da sie an Arthrose litt.
Lady bekam mit 12 Jahren eine Magendrehung, sodass sie abrupt aus meinen Armen gerissen wurde. Ich bin mir ganz sicher, dass der Himmel auch sie mit offenen Armen empfing.

Mittlerweile übernahm ich von meinem Freund – Socke - eine zweijährige Sibirien Husky Hündin. Der Rat von ihm, sie nicht von der Leine zu lassen, da ich sonst bis zu vier Stunden warten müsste, war für mich indiskutabel. Dieser sehr eigenständige Hund lernte in drei Tagen, dass, wenn man gehorcht, die Leine kein Thema mehr ist.
Wir hatten ein Arrangement. Nach einer Stunde im Park treffen wir uns am Auto, dieses klappt bis heute.
Sie lehrte mich, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Hunde individuell abzudecken, das ist die Basis für einen gehorsamen Hund. Mit Socke machte ich keine BH Prüfung. Da ich im privaten Bereich keinerlei Probleme mit ihr hatte, wollte ich sie nicht zwingen, etwas zu tun, was ihr absolut keinen Spaß machte.
Socke schien unsterblich, sie wurde 16 Jahre alt. Sie lebte überwiegend draußen, ein Husky eben. In den Wolken füllt sie sich bestimmt wie im Schnee, frei und glücklich.

Mit Loni begann eine andere Ära. Eine 14 Monate alte Dobermann-Schäferhund Mix Hündin.

Mit ihr hatte ich einen Arbeitshund der mehr verlangte als die BH Prüfung. Aufsässig und wild, Sie hatte Feuer unterm Hintern. Ich musste mir etwas einfallen lassen. Schutzhundausbildung ging leider, wegen eines genetischen Zahnschmelz Defekts, nicht. Agility, Obediance alles nicht genug.
Ich wollte aber schon immer einen Rettungshund ausbilden und Loni hatte alle Eigenschaften die man dafür braucht.
Diese Arbeit schweißt einen mit seinen Hund unglaublich zusammen.
Jeden Tag verlangte sie alles von mir. Die Winterpause ohne Verein, ohne Staffel, ohne Arbeit war für sie die schlimmste Zeit im ganzen Jahr.
Für mich war es eine der schönsten und vielseitigen Erfahrungen die ich in der Hundeausbildung gemacht habe.
Leider braucht man für diese Ausbildung, die nicht nur den Hund betrifft, eine Menge Zeit und Geld, sodass ich als Loni mit neun Jahren bei einer Einsatzübung einen Muskelriss bekam, ich aus der ASB Rettunghundestaffel ausschied. Zu diesem Zeitpunkt hatte Loni mehrfach die BH-, die Flächen- und die Trümmerprüfung bestanden und war mit mir in mehreren Einsätzen.
Sie wurde 14 Jahre alt und zeigte mir wie man mit Hunden umgeht, damit die tun was man will. Sie war meine beste Lehrerin. So einen Hund bekommt man nur einmal im Leben vom Himmel als Leihgabe und wenn man Sie zurückgeben muß, bricht es einem das Herz aber es bleibt ein Reichtum der nicht mit Geld zu bezahlen ist.

Mini ist eine kleine Jack Russell Hündin und gehört meiner Freundin. Ich lernte sie mit 10 Wochen, groß wie ein Meerschwein, kennen. Da Mini nicht auslöschbare Ängste vor Schuss, Sturm, Regen und lauten Geräuschen hat, ist ein Leben mit ihr sehr anstrengend. Auch das sie in jeden Kaninchenbau passt erleichtert es nicht. Wir erleichterten uns das Leben, indem sie mal bei mir und mal bei meiner Freundin wohnte. Mini machte das nichts aus, Hauptsache sie bekommt gutes Essen. Ich lernte von ihr hauptsächlich viel Geduld zu haben und das es psychische Grenzen in der Erziehung gibt. Auch sie hat eine BH Prüfung denn ich bin der Meinung, dass auch kleine Hunde gehorchen müssen. Da sie so viel Spaß auf dem Hundeplatz (wenn es nicht knallte) hatte, durfte sie auch am Rettungshundetraining teilnehmen.

Jetzt wohnt sie ständig bei mir und ist wieder die Kleinste im Bunde.

Im Kindergarten war Sie immer die Attraktion, ein kleiner Zirkushund.

Mini ist ihr Leben lang ein Panikhund geblieben und wir hätten nie gedacht, dass sie 15 Jahre alt wird. Vor allem habe ich nie gedacht das ich diese Kleine  Maus so vermissen würde.

Es ist ein Riesenloch was bleibt und ich bin sehr froh das sie dort wo sie jetzt ist nicht allein ist sondern all ihre Freunde wieder sieht.


Meinen kleinen Yorkshire Terrier Gismo hatte ich eigentlich für eine Familie aus dem Tierheim ausgesucht. Diese war aber leider auch schon mit diesem kleinen ca. sechs Jahre alten Hund überfordert sodass ich ihn zu mir nahm. Natürlich war er Terrier typisch zickig gegenüber anderen Hunden. Jetzt ist er soooo niedlich und völlig unkompliziert. Er wird eine der wenigen Yorki´s sein die eine BH Prüfung haben, die er nur hat weil er unbedingt auch auf dem Hundeplatz arbeiten wollte.
Ich lernte von Ihm, das so ein kleiner Hunde ganz genau dieselben Bedürfnisse hat wie ein großer. Er möchte laufen, spielen, lernen und gefallen und – er mag keine Mäntelchen.

Er wurde 16 Jahre alt, als er ging erlöschte ein Sonnenstrahl.

Mein Karim kam hauptsächlich zu mir weil alle Welt erzählt das Windhunde nicht erziehbar sind. Eine 14 monatiger Galgo aus Madrid der bis dahin nur im Zwinger war. Seine Ängste rührten daher dass er keine Erfahrung hatte. So etwas lässt sich bei einem schlauen Hund relativ schnell beheben. Innerhalb eines Jahres wurde aus dem verängstigten Tier ein selbstbewusster, offener und lebensfroher Hund der schon einige Aufgaben erfüllt. Er übernimmt immer mehr Lonis Part in der Erziehung der Welpen und Junghunde, er kommt mit in die Kindergärten, er muss beim E-H Kurs Opfer spielen und viele Kleinigkeiten lernen.
Ich lernte von Ihm dass sensibel und vorsichtig zu sein nicht unbedingt Angst bedeutet.
Ich hoffe ich habe ihn noch viele Jahre.

In Spanien verfroren die Hunde. So entschloss ich mich kurzfristig eine Podenca (war schon immer mein Traum) zu mir zu nehmen. Ich brauchte eine größere Herausforderung als einen Galgo. Von der Jagt auf die Straße und dann zu mir. Nach nur 4 Wochen konnte Nadima überall frei laufen und ich dachte es sei geschafft, aber ein Podenco ist viel zu schlau um nicht jeden Tag eine Schwachstelle zu finden. Ich muß sie ständig im Auge behalten und alle Tricks die ich kenne auspacken und das wahrscheinlich ein Lebenlang. Von ihr lerne ich das jede Erziehung auch Grenzen hat.

Nun brauche ich aber wieder einen Rudelführenden Hund und ich versuche es mit Noel, die auch aus Spanien kommt. Mit nur 9 Monaten ist sie der jüngste Hund den ich mir je angeschafft habe. Schäferhundmischlinge sind Arbeitshunde und Schutzhunde mal sehen wie die Kleine sich macht. Die Schwierigkeit bei diesen beiden besteht darin 2 Junge unerzogende Hunde zeitgleich zu erziehen. Keine leichte Aufgabe aber leicht will ich es auch gar nicht haben.

Fünf Hunde, von so unterschiedlichen Rassen und alter, zur selben Zeit zu führen heißt sehr unterschiedliche Bedürfnisse zu decken.

Das ist nicht immer leicht aber super lehrreich.

Filou wollte nicht ich haben sondern er wollte mich. Ganz ehrlich wer könnte diesen Augen einen Wunsch abschlagen? So wohnt auch diese Frohnatur bei mir und bringt viel liebe aber leider auch viele Verletzungen ins Haus (Auge mit Stock verletzt, Allergischer Schock, Zerrungen u.s.w.).

Er ist mit 3 Jahren gekommen und ist immer noch sehr zurückhaltend gegenüber Fremden aber das wird schon.

 

Mittlerweile kann auch er im Kindergarten mitarbeiten und die Angst vor Männern hält sich in Grenzen. Es geht Bergauf. Er hatte sich so gut entwickelt aber leider ist er mit 5 Jahren vor ein Auto gelaufen und war sofort tot. Er ist der Erste Hund den ich jung verliere, das schmerzt sehr. Der einzige Trost -mein gute Laune macher hatte ein schönes wenn auch viel zu kurzes Leben aber er bleibt für immer in meinem Herzen.

Mein Patenhund Püppi hat mir gezeigt, dass es Hunde gibt, die eine lernschwäche haben aber auch ohne Beschäftigung und lernen ihr Glück finden. Sie ist einfach mit dem zufrieden was sie hat denn das ist wahrscheinlich mehr als sie sich in den 6 Jahren Tschechoslowakei erträumen konnte.

Sie strahlt und quietscht ihr Glück heraus. Lebenslustig, genügsam, ein richtiger Schatz.

Irgendwann kommt man auch mal als Hundetrainer zu dem Wunsch, einen Unkomplizierten, einfach nur netten Hund haben zu wollen. Wenn man dann auch noch die Mutter und ihre Geschwister kennengelernt hat, ist das toll. Da ich meine Hunde immer aus dem Heim oder Tierschutz habe, ist das meist nicht der Fall. Fibi ist der Beweis, dass man auch ein Goldstück aus dem Tierheim bekommen kann. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich in dem Heim, richtig um sie gekümmert hat. Von Geburt an gefördert mit Hundeschule und viel Kontakt zu Hunden, Menschen und der Außenwelt.

Bei Einhorn haben sie alles richtig gemacht und ich habe das jetzt sehr leicht mit ihr. Ein angstfreier Herzens Hund der jeden Tag Freude und Liebe ins Leben bring und das ohne Arbeit oder mühen.

 

(Fotos Tanja Wiegand)


Ich bin all meinen Hunden dankbar für all das Wissen das „sie“ mir geben und gegeben haben.
Für die Liebe, Treue, Wärme und den Schutz den sie mir geben und gaben.

Für die schönen wie auch schwierigen Stunden mit ihnen.

„Sie“ brauchen mich aber „Ich“ brauche Sie noch viel mehr.

 

Ich hoffe im Himmel sehe ich sie irgendwann alle wieder.
PS: wenn ich da überhaupt hinkomme.